{"id":1841,"date":"2020-10-05T08:00:03","date_gmt":"2020-10-05T06:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alh-newsroom.de\/?p=1841"},"modified":"2022-02-22T16:07:43","modified_gmt":"2022-02-22T16:07:43","slug":"arbeitnehmer-oder-freiberufler-worauf-es-ankommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/2020\/10\/05\/arbeitnehmer-oder-freiberufler-worauf-es-ankommt\/","title":{"rendered":"Arbeitnehmer oder Freiberufler? Worauf es ankommt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"Beschreibung\">Das hat der 1. Senat des Hessischen Landessozialgerichts mit einem j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Urteil entschieden (Az.: L 1 BA 14\/18). Um solche Streitigkeiten zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, zu Beginn der T\u00e4tigkeit eine Statuskl\u00e4rung von der Deutschen Rentenversicherung durchf\u00fchren zu lassen, die zeigt, ob ein sozialversicherungs-pflichtiges Besch\u00e4ftigungs-Verh\u00e4ltnis vorliegt oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Physiotherapeutin war als \u201efreie Mitarbeiterin\u201c in einer physiotherapeutischen Praxis t\u00e4tig. Sie zahlte weder Miete noch musste sie sich an den sonstigen Praxiskosten beteiligen. F\u00fcr ihre Arbeit nutzte die Therapeutin praktisch ausschlie\u00dflich die ihr von der Praxisinhaberin zur Verf\u00fcgung gestellten Ger\u00e4tschaften. Die von ihr durchgef\u00fchrten Behandlungen wurden \u00fcber deren Abrechnungssystem verg\u00fctet. Dabei behielt die Inhaberin der Praxis 30 Prozent des Betrages f\u00fcr sich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutsche Rentenversicherung stellte schlie\u00dflich nach einem entsprechenden Antrag der freien Mitarbeiterin deren Sozialversicherungs-Pflicht fest. Denn angesichts der Umst\u00e4nde der Zusammenarbeit m\u00fcsse von einem abh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigungs-Verh\u00e4ltnis ausgegangen werden. Daraus folge unter anderem auch eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-abh-ngiges-besch-ftigungs-verh-ltnis\">Abh\u00e4ngiges Besch\u00e4ftigungs-Verh\u00e4ltnis?<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Entscheidung wollte die Praxisinhaberin nicht akzeptieren. Sie zog daher vor Gericht. Ihre Klage begr\u00fcndete sie damit, dass es an dem Merkmal einer abh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigung allein schon deswegen fehle, weil ihre Mitarbeiterin nicht weisungsgebunden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie habe ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen k\u00f6nnen. Dadurch, dass ein Teil ihres von den Krankenversicherern gezahlten Honorars einbehalten wurde, habe sie sich au\u00dferdem an den Praxiskosten beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dem schloss sich das Hessische Landessozialgericht nicht an. Ebenso wie die Vorinstanz hielt dieses Gericht die Klage f\u00fcr unbegr\u00fcndet. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei die als \u201efreie Mitarbeiterin\u201c bezeichnete Therapeutin durchaus in die Organisation der Praxis eingebunden gewesen. Die von ihr behandelten Patienten seien n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich mit der Inhaberin der Praxis vertraglich verbunden gewesen. Au\u00dferdem sei der Erstkontakt stets \u00fcber diese erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-die-freie-mitarbeiterin-trug-kein-unternehmerrisiko\">Die freie Mitarbeiterin trug kein Unternehmerrisiko<\/h2>\n\n\n\n<p>Von ma\u00dfgeblicher Bedeutung sei auch, dass die Mitarbeiterin kein gewichtiges Unternehmerrisiko getragen habe. Sie habe keine laufenden Kosten wie zum Beispiel Miet- und Personalkosten gehabt, die unabh\u00e4ngig von ihren erbrachten Leistungen angefallen seien. Aus eigenen Mitteln habe sie lediglich die Anschaffung eines Gymnastikballs sowie eines Therapiebandes finanziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sei au\u00dferdem nicht als Unternehmerin aufgetreten. Denn sie habe weder Werbung f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit gemacht noch \u00fcber Visitenkarten oder ein eigenes Praxisschild verf\u00fcgt. All das spricht nach Ansicht der Richter f\u00fcr ein abh\u00e4ngiges und somit sozialversicherungs-pflichtiges Besch\u00e4ftigungs-Verh\u00e4ltnis. Das Gericht sah keine Veranlassung, eine Revision gegen seine Entscheidung zuzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Urteil des Sozialgerichts Landshut aus dem Jahr 2018 kommt es f\u00fcr die Beurteilung der Frage einer Sozialversicherungs-Pflicht auf das Gesamtbild der T\u00e4tigkeit eines Physiotherapeuten an. \u201eBei einer selbstst\u00e4ndigen Akquise und Betreuung des eigenen Patientenstammes sowie dem fehlenden Weisungsrecht des Praxisinhabers muss vom Vorliegen einer selbstst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit ausgegangen werden\u201c, so die Richter.<\/p>\n\n\n\n<h2 id=\"h-rechtssicherheit-f-r-unternehmer-und-besch-ftigte\">Rechtssicherheit f\u00fcr Unternehmer und Besch\u00e4ftigte<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer sich als Arbeitgeber oder Besch\u00e4ftigter nicht sicher ist, ob ein sozialversicherungs-pflichtiges Besch\u00e4ftigungs-Verh\u00e4ltnis besteht oder nicht, kann beim DRV ein sogenanntes&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/DRV\/DE\/Experten\/Arbeitgeber-und-Steuerberater\/summa-summarum\/Lexikon\/S\/statusfeststellungsverfahren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Statusfeststellungs-Verfahren<\/a>&nbsp;beantragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Webauftritt des DRV hei\u00dft es: \u201eMit dem Statusfeststellungs-Verfahren nach&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/sgb_4\/__7a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Paragraf 7a Absatz 1 Satz 1 SGB IV<\/a>&nbsp;(Viertes Sozialgesetzbuch) soll den Beteiligten Rechtssicherheit dar\u00fcber verschafft werden, ob sie selbstst\u00e4ndig t\u00e4tig oder abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt sind. Das Verfahren wird von der Deutschen Rentenversicherung Bund, Clearingstelle, 10704 Berlin, durchgef\u00fchrt. Beteiligte, die eine Statusfeststellung beantragen k\u00f6nnen, sind die Vertragspartner (zum Beispiel Auftragnehmer und Auftraggeber), jedoch keine anderen Versicherungstr\u00e4ger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren wird ausgef\u00fchrt: \u201eJeder Beteiligte kann das Anfrageverfahren allein beantragen, die Beteiligten brauchen sich in der Beurteilung der Erwerbst\u00e4tigkeit nicht einig zu sein. Aus Beweisgr\u00fcnden ist f\u00fcr das Anfrageverfahren die Schriftform vorgeschrieben. Dazu haben die Beteiligten einen Antrag auszuf\u00fcllen, der bei der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/SharedDocs\/Formulare\/DE\/_pdf\/V0027.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutschen Rentenversicherung Bund<\/a>&nbsp;angefordert werden kann. Der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/SharedDocs\/Formulare\/DE\/_pdf\/V0027.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antragsvordruck<\/a>&nbsp;kann au\u00dferdem aus dem Internet abgerufen werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Physiotherapeutin war als freie Mitarbeiterin in einer physiotherapeutischen Praxis t\u00e4tig. Sie gilt sozialversicherungs-rechtlich als abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt, weil sie in die Organisation der Praxis eingegliedert ist und kein Unternehmerrisiko tr\u00e4gt. <\/p>\n","protected":false},"author":6385,"featured_media":1842,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"purple_page_number":"","purple_custom_meta_purple_page_number":"","purple_seq_number":"","purple_custom_meta_purple_seq_number":"","purple_source_article":"","purple_custom_meta_purple_source_article":"","purple_source_issue":"","purple_custom_meta_purple_source_issue":"","purple_external_id":"","purple_custom_meta_purple_external_id":"","purple_issue_code":"","purple_custom_meta_purple_issue_code":"","purple_android_product":"","purple_custom_meta_purple_android_product":"","purple_ios_product":"","purple_custom_meta_purple_ios_product":"","purple_web_product":"","purple_custom_meta_purple_web_product":"","purple_publication_id":"","purple_migrated":""},"categories":[6],"tags":[108,135],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg",2560,1707,false],"thumbnail":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?resize=150%2C150&crop_strategy=smart",150,150,true],"medium":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=300%2C300",300,200,true],"medium_large":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=768%2C512",768,512,true],"large":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1024%2C1024",1024,683,true],"1536x1536":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1536%2C1536",1536,1024,true],"2048x2048":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=2048%2C1707",2048,1366,true],"slider-banner":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1920%2C1707",1920,1280,true],"post-banner":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1920%2C1707",1920,1280,true],"large_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1920%2C1280",1920,1280,true],"medium_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=1024%2C1024",1024,683,true],"small_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2020\/09\/pexels-canva-studio-3194518-scaled-1.jpg?fit=800%2C800",800,533,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"Social Media-Team Alte Leipziger - Hallesche","author_link":"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/author\/socialmediaalh\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Eine Physiotherapeutin war als freie Mitarbeiterin in einer physiotherapeutischen Praxis t\u00e4tig. 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