{"id":30667,"date":"2025-09-09T06:45:00","date_gmt":"2025-09-09T04:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/?p=30667"},"modified":"2025-09-09T09:46:39","modified_gmt":"2025-09-09T07:46:39","slug":"wie-isst-man-im-takt-mit-der-inneren-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/2025\/09\/09\/wie-isst-man-im-takt-mit-der-inneren-uhr\/","title":{"rendered":"Wie isst man im Takt mit der inneren Uhr?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Prof. Ramich, \u201emorgens wie ein Kaiser, abends wie ein Bettelmann\u201c \u2013 das haben schon unsere Gro\u00dfeltern gepredigt. Ihre aktuelle Studie best\u00e4tigt das. Aber was ist das Neue daran?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neu ist der klare Zusammenhang mit dem Glukose-Stoffwechsel. Wir haben zum ersten Mal gezeigt, dass eine Person, die die meisten Kalorien in der zweiten Tagesh\u00e4lfte zu sich nimmt, weniger gut auf\u00a0Insulin\u00a0reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das bedeutet, die K\u00f6rperzellen sprechen schlechter auf das Zuckerhormon Insulin an und k\u00f6nnen Glukose aus dem Blut weniger rasch aufnehmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Dann steigt der Blutzuckerspiegel. Das erkl\u00e4rt, warum Menschen, die die meisten Kalorien abends zu sich nehmen, tendenziell ein erh\u00f6htes Diabetesrisiko haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders interessant: Dieser Zusammenhang ist unabh\u00e4ngig vom K\u00f6rpergewicht, unabh\u00e4ngig von der Menge der Kalorien, die insgesamt am Tag konsumiert wurden &#8211; und auch unabh\u00e4ngig von Alter und Geschlecht.<\/p>\n\n\n<figure><img src=\"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/wp-content\/themes\/alh\/assets\/img\/previews\/alh-tipp.jpeg\"><\/figure>\n\n\n<p><strong>Nun haben aber nicht alle Menschen den gleichen Biorhythmus. Die sogenannten Lerchen, die automatisch fr\u00fch aufwachen und dann topfit sind, sind da in unserer Gesellschaft offenbar im Vorteil. Was aber ist mit den Eulen, deren innere Uhr verz\u00f6gert tickt? M\u00fcssen die auch m\u00f6glichst fr\u00fch die meisten Kalorien zu sich nehmen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In unserer Studie haben wir tats\u00e4chlich den sogenannten Chronotyp mitber\u00fccksichtigt. Wir haben also nicht blo\u00df auf die Uhr geguckt, sondern erstmal geschaut, wann eine Person schlafen geht und wann sie aufsteht. Daraus haben wir den individuellen Mittelpunkt der Schlafphase errechnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurze Rechnung: Bei einer ausgepr\u00e4gten Eule, die um zwei Uhr morgens ins Bett geht und bis 10 Uhr schlummert, liegt der Schlafmittelpunkt erst um sechs Uhr morgens. Bei einer Lerche, die um 21:30 Uhr zu Bett geht und schon um 5:30 Uhr aufwacht, w\u00e4re das schon um halb zwei am Morgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Diesen Schlafmittelpunkt haben wir mit dem sogenannten kalorischen Mittelpunkt abgeglichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das m\u00fcssen Sie kurz erkl\u00e4ren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der kalorische Mittelpunkt ist der Zeitpunkt des Tages, zu dem man 50 Prozent seiner Tageskalorien zu sich genommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Stoffwechsel ist entscheidend, wie gro\u00df der Abstand zwischen dem kalorischen Mittelpunkt und dem Schlafmittelpunkt in der folgenden Nacht ist. Je mehr Zeit zwischen diesen zwei Mittelpunkten liegt, desto stoffwechselges\u00fcnder ist die Person in der Regel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das bedeutet, Eulen k\u00f6nnen sp\u00e4ter zu Abend essen als Lerchen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das scheint tats\u00e4chlich so zu sein. Ein g\u00fcnstiger kalorischer Mittelpunkt kann bei einer Eule sp\u00e4ter liegen als bei einer Lerche. Genetisch bedingt sind alle biologischen Rhythmen bei den Eulen nach hinten verschoben &#8211; und damit entsprechend vermutlich auch der Stoffwechsel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Allerdings kann sich nicht jeder seinen Tagesrhythmus selbst aussuchen. Eulen haben es da meist schwerer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Richtig, auch Nachteulen m\u00fcssen fr\u00fch aufstehen, um ihre Kinder zur Schule zu bringen und rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Und viele von ihnen neigen trotzdem dazu, sp\u00e4t ins Bett zu gehen. W\u00e4hrend der Arbeitswoche leiden sie dann regelrecht unter einem \u201esozialen Jetlag\u201c. Diesen Schlafmangel versuchen sie am Wochenende wieder auszugleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses st\u00e4ndige Schwanken hat aber ebenfalls einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel. Das ist nicht so massiv wie bei Leuten in Schichtarbeit, hat aber trotzdem messbar negative Auswirkungen, das belegen auch Studien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie Tipps f\u00fcr Eulen mit Jetlag?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein bisschen kann man seinen nat\u00fcrlichen Rhythmus austricksen. Den Eulen empfehlen wir, morgens vor die T\u00fcr zu gehen, zumindest bei Tageslicht. Die Sonne ist der st\u00e4rkste Zeitgeber: Morgens getankt, stellt sie unsere innere Uhr etwas nach vorne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hilft noch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann versuchen, doch mal etwas fr\u00fcher ins Bett zu gehen, um zumindest den Schlafmangel zu reduzieren. Und man kann auch versuchen, am Wochenende den Rhythmus nicht zu stark nach hinten zu verschieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das hei\u00dft, ich w\u00fcrde sonntags gern bis elf Uhr durchschlafen, stelle mir den Wecker aber trotzdem auf halb zehn?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau. Eine Art Kompromissl\u00f6sung. Aber nat\u00fcrlich gibt es weitere Faktoren, die einen gesunden Stoffwechsel unterst\u00fctzen: auf gesundes Essen achten und nat\u00fcrlich k\u00f6rperlich aktiv sein. Das wirkt den negativen Folgen des sozialen Jetlags entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mal weg von den Nachteulen: Manche Menschen haben morgens einfach noch keinen Appetit. Dann wird es schwierig, die meisten Kalorien in der ersten Tagesh\u00e4lfte zu sich zu nehmen. Haben Sie auch da einen Tipp?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sind es meist die Sp\u00e4ttypen, die morgens noch keinen Appetit haben, weil alle Prozesse noch nicht angekurbelt sind. Hungergef\u00fchl entwickelt sich dann eher sp\u00e4ter am Tag. Lerchen haben meist gleich schon nach dem Aufstehen Hunger.<\/p>\n\n\n\n<p>Appetit hat aber auch viel mit Gew\u00f6hnung zu tun. Unser K\u00f6rper stellt sich relativ schnell um, wenn man zu bestimmten Uhrzeiten isst. Das haben wir in einer Studie zum Intervallfasten beobachtet. Man kann dem K\u00f6rper recht schnell ein St\u00fcck weit antrainieren, zu bestimmten Zeiten zu essen. Fangen Sie mit einem kleinen Fr\u00fchst\u00fcck an. Nach einigen Tagen hat sich der K\u00f6rper an diese Uhrzeit angepasst.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Biorhythmus ist angeboren: Gene takten, wann wir das Bed\u00fcrfnis haben zu schlafen und wann zu essen. Doch viele Menschen leben gegen ihre innere Uhr &#8211; und das bedeutet auch, gegen ihren nat\u00fcrlichen Stoffwechsel.<\/p>\n<p>Was das f\u00fcr Folgen hat und was man tun kann, berichtet Prof. Olga Ramich vom Deutschen Zentrum f\u00fcr Diabetesforschung im Interview.<\/p>\n","protected":false},"author":6386,"featured_media":28493,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"purple_page_number":"","purple_custom_meta_purple_page_number":"","purple_seq_number":"","purple_custom_meta_purple_seq_number":"","purple_source_article":"","purple_custom_meta_purple_source_article":"","purple_source_issue":"","purple_custom_meta_purple_source_issue":"","purple_external_id":"","purple_custom_meta_purple_external_id":"","purple_issue_code":"","purple_custom_meta_purple_issue_code":"","purple_android_product":"","purple_custom_meta_purple_android_product":"","purple_ios_product":"","purple_custom_meta_purple_ios_product":"","purple_web_product":"","purple_custom_meta_purple_web_product":"","purple_publication_id":"","purple_migrated":""},"categories":[8],"tags":[111],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg",2400,1600,false],"thumbnail":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?resize=150%2C150&crop_strategy=smart",150,150,true],"medium":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=300%2C300",300,200,true],"medium_large":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=768%2C512",768,512,true],"large":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1024%2C1024",1024,683,true],"1536x1536":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1536%2C1536",1536,1024,true],"2048x2048":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=2048%2C1600",2048,1365,true],"slider-banner":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1920%2C1600",1920,1280,true],"post-banner":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1920%2C1600",1920,1280,true],"large_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1920%2C1280",1920,1280,true],"medium_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=1024%2C1024",1024,683,true],"small_image":["https:\/\/c01.purpledshub.com\/uploads\/sites\/89\/2024\/07\/freunde-grillen-im-freien.jpg?fit=800%2C800",800,533,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"stefan.eckner@alte-leipziger.de","author_link":"https:\/\/c01.purpledshub.com\/alh-editor\/author\/stefan-eckneralte-leipziger-de\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Unser Biorhythmus ist angeboren: Gene takten, wann wir das Bed\u00fcrfnis haben zu schlafen und wann zu essen. 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