Gesundheit

Familie feiert Ramadan
7. März 2025

Fastenmonat: Ramadan trotz Diabetes?

Ende Februar ist in diesem Jahr die muslimische Fastenzeit, der Ramadan, gestartet. Für 30 Tage wird zwischen Sonnenauf- und -untergang weder gegessen noch getrunken. Dabei kann der Blutzucker allerdings schnell kritisch in den Keller rauschen. Was das für muslimische Menschen mit Diabetes bedeutet.

  • Text : Christiane Fux
  • Lesedauer : 2 Minuten

Koran: „Wem Fasten schadet, der ist befreit“

Wem Fasten körperlich schadet, der ist davon befreit, so äußern sich Koran-Auslegende. Das gilt nicht nur für viele chronisch Kranke, sondern auch für Schwangere.

In Deutschland leben beispielsweise rund 180.000 Muslime mit einer Diabetesdiagnose. Allerdings drohen insbesondere Typ-1-Diabetikern, Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes oder Menschen mit Typ-1-Diabetes, schlecht eingestelltem Blutzucker oder diabetischen Folgeerkrankungen wie Nieren- oder Herzproblemen beim Fasten gefährliche Folgen.

Besonders gefährdet sind Typ-1-Diabetiker

Besonders problematisch ist die lange Dauer der Essenspausen. Für Typ-1-Diabetes, aber auch schlecht eingestellten Typ-2-Diabetes gilt: „Das Risiko für schwere Unterzuckerungen ist während des Ramadans fast fünfmal so hoch wie im restlichen Jahr“, warnt der Diabetologe Dr. Alain Barakat, stellvertretender Vorsitzender der AG Diabetes und Migration.

Glukose-Monitoring mit CGM

Kontinuierliches Glukosemonitoring und Insulinpumpen können das Risiko für schwere Unterzuckerungen mindern

In solchen Fällen raten Ärztinnen und Ärzte vom Einhalten des Fastens ab. „Trotzdem entscheiden sich viele dafür – was aus religiösen und sozialen Gründen verständlich ist“, erklärt Professor Dr. Ina Danquah, Vorsitzende der AG Diabetes und Migration der Deutschen Diabetes-Gesellschaft.

„Wer dennoch fasten möchte, sollte dies nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle und mit kontinuierlichem Glukosemonitoring tun“, rät Barakat. Auch die Medikamenteneinnahme muss an das veränderte Essverhalten angepasst und mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden. Patientinnen und Patienten mit einer Insulinpumpe haben dabei ein geringeres Risiko für schwere Unterzuckerungen.

Zuckerspitzen beim Fastenbrechen

Menschen mit Typ-2-Diabetes können fasten, sofern ihre Werte gut eingestellt sind, ihr gesundheitliches Risiko niedrig ist und sie ihren Stoffwechsel genau im Blick behalten. „Dennoch steigt das Risiko für Über- und Unterzuckerungen deutlich an“, erklärt Danquah. „Besonders nach dem Iftar, dem Fastenbrechen, kann der Blutzucker stark ansteigen, wenn viele süße oder fettige Speisen konsumiert werden.“

Um dies zu vermeiden, sollten Diabetikerinnen und Diabetiker beim Fastenbrechen möglichst wenig einfache Kohlenhydrate (etwa Süßes oder Weißmehlprodukte) zu sich nehmen und auf ausgewogene Mahlzeiten mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und magerem Eiweiß achten.

Brot, Kartoffeln und Reis sowie süße Baklava oder gesüßte Getränke sollten nur in geringen Mengen verzehrt werden. So wäre auch eine medikamentöse Anpassung einfacher, da sie weniger Blutzuckerspitzen erzeugen.

Wichtige Hinweise fürs Fasten mit Diabetes

Diabetikerinnen und Diabetiker, die trotzdem fasten möchten, können folgende Tipps beherzigen:

  • Therapie anpassen: Vier bis sechs Wochen vor dem Ramadan sollte die Diabetes-Therapie ärztlich überprüft und angepasst werden.

  • Blutzucker regelmäßig messen: Die Kontrolle ist den ganzen Tag über wichtig und hilft, Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden.

  • Bei Unter- und Überzuckerung sofort handeln: Sinkt der Blutzucker unter 70 mg/dl oder treten Symptome wie Zittern oder Schwindel auf, sollte das Fasten sofort unterbrochen werden. Gleiches gilt bei häufigem Wasserlassen, Müdigkeit, Verwirrtheit, Übelkeit und einem Blutzuckeranstieg auf über 300 mg/dl.

  • Flüssigkeitshaushalt beachten: Besonders in warmen Regionen ist das Risiko für Dehydrierung hoch. Viel Wasser oder ungesüßter Tee nach Sonnenuntergang helfen, den Flüssigkeitsbedarf zu decken.

  • Mahlzeiten bewusst gestalten: Sahur (die Mahlzeit vor Sonnenaufgang) sollte lang sättigende, ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken oder Vollkornprodukte enthalten. Beim Iftar sollten fett- und zuckerreiche Speisen vermieden werden.

Auf der Homepage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe können sich Betroffene ausführlich zum Fasten mit Diabetes informieren.

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